T i e r h e i l p r a x i s   T h ö l k e s

Chronisch Obstruktive Bronchitis (COB)

Bei der COB entsteht durch eine dauerhaft Einschränkung des Atemvolumens des Tieres. Durch unterschiedliche Auslöser (Allergie, bakterielle und/oder virale Infektion) können die kleinen Bronchien und die Bronchiolen verengt sein, in den Alveolen sind dann Schleimschichten abgelagert. Dadurch ist der Gasaustausch eingeschränkt und massiv gestört und folglich das Atemvolumen nicht mehr in ausreichender Kapazität möglich. Wird dieser Zustand nicht im akuten Stadium verhindert und ausgeheilt, leidet das Tier dauerhaft unter mangelhafter Sauerstoffzufuhr. Dieser chronische Prozess führt dann zwangsläufig am Ende zu der sogenannten Chronisch Obstruktiven Bronchitis (COB) und auch zur Dämpfigkeit des Tieres. Eine Heilung ist dann nicht mehr zu erzielen, da die in diesem Prozess entstandenen Lungenveränderungen irreversibel ist. 

Eine Ansteckungsgefahr besteht bei der COB, also bei der bereits chronisch vorliegenden Erkrankung, nur in seltenen Fällen, da Bakterien oder Viren meist nur in der Akutphase einer Atemwegsinfektion eine Rolle spielen und nach einem Zeitraum von 5-7 Wochen nicht mehr nachweisbar sind. In dieser Akutphase ist allerdings eine Ansteckung möglich. Eine Untersuchung des Sputums oder Nasensekretes im Labor gibt hierüber nähere Informationen. Die Akutphase lässt sich allerdings auch nicht unter den Begriff COB einordnen. Influenzaviren können für die Entstehung der COB ebenso von Bedeutung sein. Sie besitzen eine große Affinität zur Schleimhaut des Atemtraktes hemmen deren lokale Abwehr und steigern die Sekretion der Schleimhautdrüsen. Dieser Schleim ist ein idealer Nährboden für bakterielle Nachfolgeinfektionen. Daher gilt die Virusinfektion als Vermittler bakterieller Sekundärinfektionen. Andererseits beeinflußt sie allergisch bedingte Lungenkrankheiten, indem sie eine erhöhte Reaktionsfähigkeit der Bronchialschleimhaut gegenüber bestimmten allergisch wirkenden Eiweißverbindungen (Allergene) hervorrufen kann. Asthmatische Reaktionen beruhen ebenfalls auf  erhöhter Allergiebereitschaft, die durch Reizung der Schleimhautrezeptoren mit Stäuben von Heu, Blütenstaub (Pollen) oder Stroh, bzw. durch Kontakt mit Heupilzen oder deren Sporen ausgelöst werden. Daneben werden chemische, physikalische oder klimatische Reize als auslösende Ursachen in Betracht gezogen.

Heute gibt es grundsätzlich zwei Ansichten zur Entstehung der COB.

Die erste Auffassung geht davon aus, daß das auslösende Ereignis eine Virusinfektion ist. Sie führt im Verlaufe von 6 Wochen, eventuell ergänzt durch eine bakterielle Sekundärinfektion, zu einer chronischen Bronchitis mit unauffälligen Symptomen. Bei  Patienten  mit  ungenügender  Abwehrreaktion werden die an die Bronchialschleimhaut fixierten Keime nicht vernichtet, sondern dringen in die Schleimhaut ein und verursachen Entzündungen. Zwei Wochen nach Infektionsbeginn sind keine Viren, und 6 Wochen nach der bakteriellen Besiedelung keine Bakterien  mehr  nachzuweisen. Durch die Entzündung wird vermehrt Schleim produziert. Das geschädigte  Flimmerepithel kann seine Funktion, den Schleim nach außen zu fördern, nicht mehr erfüllen. Der Schleim sammelt sich in Lungenbläschen  und  Bronchien, wo er austrocknet und zähe Beläge bildet. Da die Bronchialschleimhaut infolge Entzündung gleichzeitig geschwollen ist, verengen sich die Luftwege derart, daß eine chronische  Stenose entsteht, die den Luftstrom behindert. Die passive Ausatmung ist nicht in der Lage, die Bronchialeinengungen zu überwinden, so daß ein wachsendes Restluftvolumen in der Lunge verbleibt. Auf nervösem Wege wird durch Reizung des Nervus vagus eine Kontraktion der Bronchialmuskeln und damit eine zusätzliche Verengung der Bronchien erzeugt.

Die zweite Auffassung sieht in der Allergie die Ursache der COB. Sie kann durch eine Infektion ausgelöst worden sein, wenn aus zerfallenden Bakterien und Leukozyten Eiweißsubstanzen frei werden, die eine allergische Reaktionsbereitschaft (Sensibilisierung) bedingen. Dann können  andere Umweltantigene  (Staub,  Pollen,  Pilzsporen) die Allergie auslösen. Stallhaltung und ständige Staubentwicklung, besonders in schlecht belüfteten Ställen, fördern die Krankheitsentstehung. 

Die COB des Pferdes gehört zu den sog. Zivilisations- und Domestizierungskrankheiten. Vorrangige Ursache sind meist Haltungs- und Fütterungsfehler. Pferde werden bei heute meist verbreiteter/üblicher Haltung die meiste Zeit des Tages (zumindestens nachts) eingestallt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Erschwerend hinzu kommt, dass oftmals in den Stallungen keine ausreichende Lüftung vorhanden, falsches Futter in oft schlechter Futterqualität angeboten wird und die Tiere somit einer hohen Staubbelastung ausgesetzt sind. Auch ist oftmals eine regelmäßige Säuberung des Stalles nicht gegeben, wodurch die Tiere einen recht hohen Ammoniakgehalt der Luft aushalten müssen. Für die Lungen der Tiere ist dies auf Dauer sehr schädlich. Bei Pferde in freier Wildbahn tritt die Krankheit COB so gut wie nie auf. Vielleicht auch, weil geschwächte Tiere dann leichter Raubtieren zum Opfer fallen. Allerdings kann mit Sicherheit gesagt werden, dass auch bei Pferdegruppen, die ganzjährig in Weidehaltung leben, deutlich weniger COB-Fälle zu verzeichnen sind. Die Haltung spielt somit eine enorm große Rolle bei der Prävention gegen Atemwegserkrankungen sowie bei der zu erwartenden Heilungschance und des Therapieerfolges.

Auslösende Faktoren der Atemwegserkrankung und folglich auch der COB sind überwiegend allergieauslösende Umweltfaktoren. Reagiert ein Tier zum Beispiel hochgradig allergisch auf Schimmelpilze und ist diesem Faktor ständig ausgesetzt, wird der Körper des Tieres versuchen, die Staub- und Schimmelpartikel per Schleim aus dem Körper abzutransportieren. Wird dieser Zustand nicht unterbrochen, entsteht eine dauerhalfte Verschleimung und Verengung der Atemwege und damit auch eine dauerhafte mangelhafte Lungentätigkeit und unzureichende Sauerstoffzufuhr. Gleiche Symptome treten selbstverständlich bei infektiösen oder bakteriellen Infektionen der Atemwege auf. Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf hat auch der körperliche Zustand des Tieres. Geschwächte Tiere haben es bei Infektionen der Atemwege immer schwerer, die Infektion abzuwehren und zu verarbeiten.

Krankheits-/Erscheinungsbild:

Unabhängig von den Ursachen der Erkrankung ist das Krankheitsbild durch folgende Faktoren gekennzeichnet:  

  • die glatte Bronchialmuskulatur ist verkrampft, bei Abtasten brettharte Strukturen,
  • die Schleimhaut der Bronchien ist stark geschwollen,
  • die Schleimproduktion ist erhöht
  • die Schleimmassen trocknen auf den Alveolen- und Bronchialwänden ein.

Während der Einatmung dehnt sich die Lunge aktiv aus, so daß die Luft trotz Verengung des  Bronchialquerschnittes  einströmen  kann, aber bei der passiven Ausatmung reicht die Kraft der gedehnten elastischen Fasern der Lunge nicht aus, die Luft auszutreiben. Es entwickelt sich ein Ventileffekt, in dessen Ergebnis sich das Restluftvolumen in den Alveolen ständig vergrößert.
Selbst die verstärkt eingesetzte Bauchpresse vermag die Luft nicht wieder  vollständig auszutreiben. Die Alveolen blähen sich auf, ihre Wände werden gedehnt und  zerreißen.  Die  darin  entlanglaufenden Blutgefäße werden zunächst in die Länge gezogen, dadurch verkleinert sich ihr Querschnitt, und es fließt weniger Blut durch die Lunge. Das Herz muß gegen einen großen Widerstand Mehrarbeit leisten.  Die  Gasaustauschverhältnisse sind erheblich gestört, venöses Blut wird nur noch unvollständig mit Sauerstoff angereichert. Dadurch vermindert sich die Sauerstoffversorgung der Gewebe und die Leistungsfähigkeit sinkt. Neben trockenem, oft bellendem Husten, der meist anfallsweise auftritt und morgens beobachtet wird, wenn die Pferde den Stall verlassen, wird gelegentlich ein- oder beidseitig schleimiger bis eitriger Nasenausfluß festgestellt. Im Verlauf der Erkrankung erhöht sich die Atemfrequenz sowohl in Ruhe als auch bei  Belastung.  Die  Pferde husten nun auch während der Belastungsphasen. Die sinkende Leistungsfähigkeit ist zunehmend von Bewegungsunlust begleitet. Mit erhöhter Atemfrequenz atmen die Pferde mehr Feuchtigkeit ab, so dass nicht nur der Bronchialschleim eintrocknet, sondern der gesamte Flüssigkeitshaushalt gestört ist. Da offenbar kein Durstgefühl besteht, trinken die Pferde sehr wenig. Der sehr stark  beeinträchtigte Wasserhaushalt und die gestörte Ausscheidung von Kohlendioxid in den Lungen führen zu massiven Verschiebungen im inneren Milieu. Der Appetit sinkt und die Leistungsfähigkeit geht erheblich zurück. Das Herz muß im Bereich der Lungen gegen einen erhöhten Strömungswiderstand arbeiten. Wegen  der  unzureichenden Sauerstoffversorgung sinkt auch die Herzleistung. Erhöhte Atemfrequenz, geblähte Nüstern und angestrengte Bauchatmung kennzeichnen den fortgeschrittenen Krankheitszustand.  Bei Belastung verstärken sich sofort die Symptome. Das Endstadium ist die Dämpfigkeit, in dem die Wände der geblähten Alveolen zerreißen und die Atmungsfläche, an der noch ein Gaswechsel möglich ist, immer kleiner wird. Die Lunge gleicht dann mehr und mehr einem geblähten Ballon  (Lungenemphysem). Die Lungengrenzen sind weit in Richtung Bauch verschoben.

Behandlung:

Eine vollständige Ausheilung der COB ist nie erreichbar. Allerdings kann man - wenn die chronischen Probleme frühzeitig erkannt und auch ernst genommen werden, viel dazu beisteuern, dass die Krankheit gemildert und der Verlauf (der immer in Dämpfigkeit endet) verlangsamt wird. Die Möglichkeit dem Tier ein paar unbeschwerte Jahre zu verschaffen, sind durchaus gegeben. Die Hoffnung hierauf sollte nicht so schnell aufgegeben werden.

Auch sei hinzugefügt, dass es natürlich immer besser ist, die Krankheit so früh als möglich zu behandeln. Sollte ein Husten des Pferdes, sei es aufgrund viraler oder bakterieller Infektion, oder aufgrund eines Allergieschubes frühzeitig behandelt werden, kann die Chronifizierung meist verhindert werden (insofern die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden).

Bei allen schulmedizinischen und naturheilkundlichen Behandlungsmöglichkeiten sei aber darauf hingewiesen, dass hier der maßgebliche Erfolg auch davon abhängt, ob die Haltungs- und Fütterungsbedingungen der Krankheit entsprechend angepasst und verändert werden. Ganz deutlich gesagt - es nützt nichts, dem Tier mit guter Absicht wochenlang Pülverchen und Tabletten ins Futter zu mischen, eventuell noch "Zig-Male" spritzen zu lassen, damit der Schleim schneller abtransport wird aus dem Atemwegen, wenn man parallel dazu nicht auch dafür Sorge trägt, dass die Faktoren, die die Schleimproduktion ankurbeln (Staub, Schimmelporen, Stallhaltung, etc.) aufs Minimum heruntergeschraubt werden. Hierzu gehört meistens eine Komplettumstellung der Haltungsbedingungen, vielleicht sogar ein Standortwechsel und auch die Umstellung des Futters und der Einstreu. Es liegt auf der Hand, dass dies nicht immer einfach umsetzbar ist, allerdings muss man sich bewusst machen, dass die Linderungschancen bei kontraproduktiven Haltungsbedingungen schlecht stehen.  Es stellt sich damit die Frage, ob es sinnvoll ist, viel Geld für Medikamente auszugeben, die bei den entsprechend schlechten Haltungsbedingungen auch "keine Wunder" bewirken können, oder einen einmaligen Aufwand zur Umstellung der Haltungsbedingungen anzugehen. Die Lebensqualtität des Pferdes ist damit eher zu erreichen, als mit vielen teuren, oft erfolglosen Medikamentenkuren, die nur zeitweise Linderung verschaffen können, insofern "der Rest" nicht geändert wird.

Schulmedizinisch gibt es einige Mittel, die teilweise in Kombination verabreicht werden. Hier seien als Beispiel Ventipulmin (verschreibungspflichtig), VentiPlus (verschreibungspflichtig) und Spytolysin (freiverkäuflich) genannt. Diese Arzneimittel bewirken, dass sich die Bronchien weiten (VentiPlus) und damit erst einmal eine Verbesserung des Sauerstofftransport gewährleistet ist. Außerdem wird die vorhandene Verschleimung gelöst und kann somit leichter abtransportiert werden. Die Behandlung mit Antibiotika verschiedener Art kommt hier selten in Betracht, da eine bakterielle Infektion meist nur in akuten Krankheitsphase vorkommt. Bei der COB spielen die Bakterien (die eventuell einmal Auslöser der COB waren) nicht mehr die vorrangiste Rolle. Je nach Erkrankungsstatus wird in der Schulmedizin auch oft eine Langzeitgabe von Cortison (verschreibungspflichtiges Prednisolon) verordnet. Dies vermag dem COB-Patienten im ersten Moment drastische Linderung verschaffen. Jedoch sollten hier zwingend die zu erwartenden/möglichen Nebenwirkungen abgewogen werden (z. Bsp. Equines Cushing Syndrom, Schwächung des Immunsystems, u.a.). Hierbei spielt sicherlich das Alter das Tierpatienten, sowie auch die zukünftig vom Tier erwartete Leistung bei der Entscheidung eine gewichtige Rolle.

Naturheilkundlich gibt es verschiedene Arten, das Tier zu behandeln. Zunächst kommen phytotherapeutische Maßnahmen zur Unterstützung in Frage. Außerdem gibt es viele homöopathische Mittel, die teilweise als Komplexmitteln bereits ausreichend und mit Erfolg zur Behandlung der COB getestet wurden. Auch kommen Infusionen (reine Kochsalzlösung NaCL 0,9 % oder gemischt  mit homöopathischen Arzneimitteln) in Betracht.

Das Ziel ist allerdings in beiden Behandlungsmethoden (schulmedzinisch oder alternativmedizinisch) gleich. Der Abtransport des vorhandenen Schleimes muss zunächst angekurbelt werden. Damit ist die Chance gegeben, die Lunge (bei freien Atemwegen) in dem derzeitigen Zustand zu erhalten und ein chronisch-alveoläres Lungenemphysem zu verhindern. Eine weitere schnelle Zerstörung der Lungenbläschen wird damit gestoppt und dem Pferd kann seine körperliche Konstitution im Zeitpuntk der Behandlung erhalten bleiben. Die Ursachen der Schleimproduktion müssen auf das Minimun reduziert werden. Dem Pferd ist ein Bewegungsplan und Futterplan aufzustellen, damit die Kondition der Erkrankung angepasst wird.

Bei Allergikern kann zusätzlich hierzu eine Behandlung der Allergie in Angriff genommen werden. Hierzu wird zunächst eine Ausleitung- / und Entgiftung des Tieres vorgenommen. Anschließend kann über eine Eigenblut- und/oder Nosoden- und/ oder Auto-Nosodenbehandlung eine Therapie vorgenommen werden.

Weiterhin gute Erfolge erzielt die Akupunktur und die Blutegelbehandlung.

Alle Behandlungsmethoden erstrecken sich allerdings auf einen längeren Zeitraum von mindestens ca. 3-5 Wochen (je nach Erkrankungsstatus), wobei eine schrittweise Linderung der Symptome in der ersten Woche erkennbar sein sollte.

Vorbeugende Maßnahmen:

  • bei Stallhaltung gute Belüftung sicherstellen
  • regelmäßiges Entmistens des Stalles um Ammoniakgehalt zu mindern (täglich)
  • ausreichend Weidegang / Offenstallhaltung / idealer weise ganzjähriger Weideaufenthalt mit Schutzhütte
  • physische Belastung /ausreichend Bewegung / angemessene Arbeit für das Pferd (keine Überlastung!) um Kreislauf in Schwung zu halten und den Abtransport des festsitzenden Schleimes zu fördern
  • Staubbelastung im Stall mindern / Stallklima optimieren /kehren, wenn Pferde nicht im Stall sind
  • staubendes / schimmelbelastetes Futter vermeiden
  • Einstreu wechseln: kein Stroh, keine staub- und/oder toxinhaltige Holzspäne; eventuell dicke Gummi-Isoliermatten als Liegestelle mit geringem Belag an hanfstreu (um Urin aufzusaugen)
  • regelmäßig Kot auf Wurmbefall untersuchen lassen oder präventiv regelmäßig entwurmen

 

© Copyright 2012 Heike Thölkes. Eine Weiterverbreitung, Kopie, Verarbeitung gleich welcher Art und der Ausdruck ist abgesehen vom persönlichen Eigengebrauch nicht gestattet.

Top
www.tierheilpraxis-thoelkes.de/